Mitgliederversammlung 2017

Bericht

über die Tätigkeit des Förderkreises Historischer Waldbachfriedhof anlässlich der Mitgliederversammlung 2017 am Mittwoch, den 22.03.2017 im Ritterhaus

Meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie zu unserer Mitgliederversammlung und freue mich über Ihr Kommen. Wir danken Herrn Gall dafür, dass er uns wieder beherbergt, diesmal sogar im noblen neuen Foyer. Das Ritterhaus ist für mich eine ganz wichtige Anlaufstelle. Herr Gall und seine Mitarbeiter haben immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen und unterstützen uns sehr in unserer Arbeit. Dafür sind wir wirklich dankbar.

Ich persönlich habe das zurückliegende Jahr als besonders intensiv empfunden und berichte Ihnen nun, was sich auf und um den Waldbachfriedhof herum ereignet hat.

Unser größtes Projekt war die Restaurierung des Friedhofskreuzes. Der Korpus war stark beschädigt, ein Arm des bedauernwerten Christus war nur noch mit einem Seil fixiert. Herr Meyer wird sie nachher über die Details der ausgeführten Maßnahmen informieren. Er hat die Arbeiten vorbereitet und begleitet. Außerdem haben die TBO auf der Basis seiner Pläne den Platz um das Kreuz neu gestaltet. Das war viel Arbeit, und ich danke Heinrich Meyer für sein besonderes Engagement. Dieser Platz mit dem Friedhofskreuz stellt ein zentrales Denkmal auf dem Friedhof dar, und die Restaurierung ist wirklich gelungen.

Die Steinmetzfirma Goos aus Bohlsbach hat uns zwei Vogeltränken aus Granit gespendet. Dafür danken wir der Familie Glatt. Die Vöglein und Eichhörnchen sind hoffentlich auch zufrieden damit.

Unser Plan, die unterschiedlichen alten Sitzbänke durch einheitliche Parkbänke aus Teakholz zu ersetzen, ist ebenfalls fortgeschritten. Wir haben eine Firma gefunden, die uns die Bänke in guter Qualität zu einem vernünftigen Preis anfertigen und liefern kann. Den Aufbau und die Verankerung der Bänke würden die TBO übernehmen. Vor kurzem ist eine Musterbank eingetroffen und erfüllt unsere Erwartungen. Nach der Neubestuhlung der Kapelle ist das unser finanziell anspruchsvollstes Vorhaben. Eine Bank kostet 800€, und wir benötigen 20 davon. Das können wir nur mit Hilfe auch von größeren Spenden realisieren, um die ich mich bemühen werde. Außerdem haben Mitglieder unseres Förderkreises bereits signalisiert, dass sie jeweils eine Bank stiften, und wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn möglichst viele von Ihnen uns wie beim Stuhlprojekt wieder unterstützen. Ich will den Startschuss aber erst geben, wenn die Finanzierung im Wesentlichen steht. Deshalb bitte ich um Geduld. Ich werde Sie dann schriftlich über den Projektverlauf informieren.

Darüberhinaus werden wir uns in diesem Jahr weiterhin um die Grabmäler kümmern, von denen einige der Restaurierung bedürfen.

Das Thema „Grabpatenschaften“ ist im vergangenen Jahr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Im Fernsehen, in der Presse und im Rundfunk wurde darüber berichtet. Im Augenblick sind 36 Gräber an Paten vergeben. Wir werden demnächst die Liste der noch freien Patenschaftsgräber überarbeiten und erweitern.

Aber nicht nur die Zahl der Grabpaten hat sich vergrößert, auch die Mitgliederzahl ist auf 191 Unterstützer/innen angewachsen. Das freut uns natürlich. Der Waldbachfriedhof bleibt eine Herausforderung, und man muss sich immer weiter um ihn kümmern. Ein gut aufgestellter und großer Förderkreis kann dabei entscheidend mitwirken. Deshalb mein Appel an Sie: Wenn nur die Hälfte der hier Anwesenden jeweils ein neues Mitglied wirbt, dann schaffen wir nicht nur den Sprung über die 200, sondern wir tragen noch ein Stück mehr dazu bei, dass der Waldbachfriedhof erhalten bleibt.

Auch das Arboretum ist ständiges Thema. Es gibt inzwischen 111 unterschiedliche Baumarten, sieben Bäume wurden im letzten Jahr gepflanzt.

In den vergangenen Monaten habe ich mit Frau Herrmann- Malecha einen museumspädagogischen Kurs für Kinder ab neun Jahren vorbereitet mit dem Titel: „Was ist auf dem Friedhof los? Ganz kurz zusammengefasst: Wir wollen vor allem Schulklassen den Waldbachfriedhof zeigen und ihnen einige Gräber von wichtigen Persönlichkeiten vorstellen. Dabei können sie den Wandel der Bestattungskultur beobachten und die unterschiedlichen Bestattungsformen kennenlernen. In der Kapelle sprechen wir über verschiedene Möglichkeiten des Abschiednehmens und den Ablauf einer Trauerfeier. Die Kinder fertigen dann eine Beileidskarte nach eigenen Vorstellungen an, und zum Schluss lesen wir vor aus dem Bilderbuch: „Die besten Beerdigungen der Welt“. Ein solcher Kurs kostet natürlich Geld, und wir danken unserem Förderkreis und dem Förderverein Museum, Archiv und Städtische Galerie für ihre Unterstützung. Jetzt hoffen wir, dass unsere Mühe nicht umsonst war und der Kurs nachgefragt wird.

Außer unserem Arbeitseinsatz, der dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen ist, konnten wir alle Veranstaltungen wie geplant durchführen. Im März haben wir mit Frau Sabine Bengel die Münsterbauhütte in Straßburg besichtigt. Trotz Regenwetters war im Juni die Lesung in der Kapelle wieder ein voller Erfolg. Diesmal wirkten Gudrun Fröhner, Renate Tesmer, Jens-Uwe Folkens und Wilhelm von Ascheraden mit. Außerdem fanden drei unterschiedliche Themenführungen auf dem Waldbachfriedhof statt. Auch der Filmabend im KiK war gut besucht. Es wurde der Dokumentarfilm „Nice Places To Die“ gezeigt.

Ein ganz entscheidender Schritt 2016 war die Verständigung darüber, wie der Waldbachfriedhof als Bestattungsort, Kulturdenkmal und Park in Zukunft weiter entwickelt werden soll. In einem Gespräch mit Herrn Müller, dem Chef der TBO, Herrn Jäger, dem Leiter der Friedhofsverwaltung und Mitgliedern unseres Vorstands haben wir uns vor allem darauf geeinigt, die Urnenbaumbestattungen nicht auszuweiten. Das war dem Vorstand ein wichtiges Anliegen, und die Mitglieder des Technischen Ausschusses sind dieser Meinung erfreulicherweise gefolgt. Die Presse hat darüber berichtet unter dem Titel : „Waldbachfriedhof soll Kleinod bleiben.“ ( OT, 13.12.2016, BZ 08.03.2017)

Die Urnenbäume beeinträchtigen das Erscheinungsbild, insbesondere den Parkcharakter des Friedhofs erheblich, und das hängt mit der Uneinsichtigkeit der Angehörigen zusammen. Baumgräber sollen naturnah sein und sich ohne Schmuck in die Freiflächen harmonisch einfügen. Wer sich für eine solche Grabart entscheidet, dem muss das klar sein, und bei der Grabberatung wird darüber ausdrücklich informiert.

Leider halten sich viele Nutzer nicht an die Vorgaben der Gestaltungssatzung. Sie legen oder stellen Blumen und anderen Grabschmuck auf die Grabplätze und kümmern sich dann nicht mehr darum. Damit die Wiesenbereiche unter den Bäumen und die vorgesehenen Ablageflächen nicht zu Komposthalden, Laternenmeeren und Engelesheerlagern werden, muss man regelmäßig abräumen. Dazu gibt es Absprachen mit der Verwaltung, die bis jetzt noch nicht zufriedenstellend eingehalten werden. Wir hoffen aber auf das kommende Jahr, denn die Zusammenarbeit mit Herrn Jäger funktioniert dankenswerter Weise gut. Wir stehen in ständigem Austausch und bemühen uns gemeinsam um die bestmöglichen Lösungen für den Erhalt und die Gestaltung des Waldbachfriedhofs.

Für den Waldbachfriedhof gilt insgesamt eine besondere Gestaltungssatzung, die unser Vorstand mit der Friedhofsverwaltung im letzten Jahr noch einmal überarbeitet hat und die bald verabschiedet wird. Der Förderkreis legt großen Wert darauf, dass die Satzung Anwendung findet, denn sonst besteht die Gefahr, dass dieser denkmalgeschützte Ort im Lauf der Jahre zerstört wird und sich in ein sepulkrales Disneyland verwandelt. Unser Waldbachfriedhof ist wunderschön und etwas ganz Besonderes. Deshalb nehmen die Bestattungen dort ja auch weiterhin zu. Aber wer ein Grab auf diesem Friedhof wählt, weil er so schön ist, der sollte auch aktiv dazu beitragen, dass er schön bleibt und den Charakter des Waldbachfriedhofs und sein historisch gewachsenes Erscheinungsbild respektieren.

Zum Schluss komme ich zu unserem Buchprojekt, das in der letzten Mitgliederversammlung gar nicht angekündigt wurde, weil es sich sozusagen spontan ergeben hat.

Mehrfach und seit längerem haben Teilnehmer an Friedhofsführungen nachgefragt, ob es die Informationen zu den bestatteten Persönlichkeiten auch schriftlich gibt. Eigentlich hatte ich vor, diese Aufgabe irgendwann nach meiner Pensionierung als „Rentnerbeschäftigung“ in Angriff zu nehmen. Nachdem aber auch Herr Jäger im Frühjahr bei einer unserer Sitzungen die Idee zur Sprache brachte, nahm das Projekt Fahrt auf. Bald habe ich festgestellt, dass ich alleine diese Aufgabe nicht stemmen konnte. Das hätte zu lange gedauert, und die Herausgabe eines Buches hätte mich als blutigen Laien überfordert. Deshalb habe ich Herrn Dr. Ruch als Profi und Kenner der Offenburger Stadtgeschichte um Unterstützung gebeten. Er hat erfreulicherweise zugesagt, und so haben wir uns gemeinsam in dieses Abenteuer gestürzt. Dabei ist „Wer liegt denn da? Persönlichkeiten auf dem Waldbachfriedhof“ entstanden.

Natürlich konnten wir nicht alle erwähnenswerten Personen berücksichtigen. Zusammen haben wir 46 Persönlichkeiten ausgewählt und dazu Kurzportaits geschrieben. Damit geben wir einen Überblick über Offenburger Bürger und Bürgerinnen aus Wirtschaft, Kultur und Politik, die Geschichte geschrieben und die Stadt mitgestaltet haben.

Unsere Mitglieder erhalten das Buch als Geschenk, und wir hoffen, dass es Ihnen gefällt.

Ich danke abschließend allen, die dieses Projekt auf unterschiedlichste Art unterstützt haben. Mein besonderer Dank gilt Ihnen, dem Förderkreis Historischer Waldbachfriedhof als Herausgeber, der Friedhofsverwaltung, bzw. den Technischen Betrieben Offenburg und dem Fachbereich Kultur gemeinsam mit dem Museum im Ritterhaus, die alle gemeinsam zur Finanzierung des Vorhabens beigetragen haben.

Ich bin nun am Ende meines Berichts angelangt, und Sie haben sicherlich bemerkt, dass ein wirklich arbeitsreiches Jahr hinter uns liegt. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Unterstützung, und ich danke meinen Kollegen in Vorstand und Beirat, auf die ich immer zählen kann, für ihr außergewöhnliches Engagement.

Cornelia Kalt-Jopen
Vorsitzende