Mitgliederversammlung 2020

Bericht
über die Tätigkeit des Förderkreises Historischer Waldbachfriedhof anlässlich der Mitgliederversammlung 2020 am Mittwoch, den 04.03.2020 im Ritterhaus

Meine Damen und Herren,
ich heiße Sie willkommen zu unserer heutigen Mitgliederversammlung.
Ähnlich Spektakuläres wie die Realisierung unseres Bankprojekts 2018 kann ich in diesem Jahr nicht berichten. Allerdings will ich erwähnen, dass die Bänke großen Anklang finden. Ich bekomme immer wieder positive Rückmeldungen.
Womit haben wir uns also 2019 beschäftigt?

Zunächst wurde der Zaunabschnitt an der Gewerbeschule in Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung und Mitarbeitern der TBO erneuert. Der Förderkreis hat wie üblich die Kosten der Bepflanzung mit Eiben übernommen. Unter Regie von Heinrich Meyer konnten 13 Grabmale restauriert werden. Dabei ging es vor allem um die Reinigung der Oberflächen, das Nachtönen von Inschriften, in einem  all um die Wiederherrichtung eines Holzkreuzes. Inzwischen wurde eine gärtnerbetreute Anlage mit Urnenkaufgräbern fertiggestellt. Es ist die zweite auf dem Waldbachfriedhof. Mit diesem Angebot verfolgen wir das Ziel, mehrere kleine Grabfelder dezentral zu installieren, um großflächige Anlagen wie die im Osten an der Brachfeldstraße zu vermeiden, weil sie unserer Meinung nach dem historischen Charakter des Waldbachfriedhofs nicht entsprechen. Auf anderen historischen Friedhöfen wird dieser Weg ebenfalls beschritten. Nach langen Bemühungen haben wir erreicht, dass von städtischer Seite jeweils ein Hinweisschild auf den Friedhof und das Arboretum an der Zellerstraße und an der Moltkestraße installiert wurde.
Allerdings steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schild an der Zellerstraße das kleine, hässlich besprühte Maschinenhaus des Abwasserzweckverbandes. Herr Meyer hatte nun die Idee, nach Absprache mit den Verantwortlichen des AZV und in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule dieses Häuschen so zu gestalten, dass es sowohl ansprechend aussieht als auch einen künstlerischen Hinweis auf den Friedhof und das Arboretum gibt.

Aber es war schwierig, eine Gruppe Jugendlicher für dieses Vorhaben zu gewinnen, und jetzt wird es spannend, es ist schließlich junge Migranten des IDS, die sich für dieses Projekt interessiert. Sie waren mit ihren Betreuern bereits vor Ort und haben sich den Friedhof angeschaut. In Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule und angeleitet durch einen jungen Maler und Streetart Künstler sollen sie nun ein Konzept entwerfen für die Gestaltung des Häuschens und möglicherweise auch der umliegenden Grünfläche, die sich ebenfalls nicht sehr attraktiv präsentiert. Wir sind äußerst neugierig, wie sich dieses ungewöhnliche Projekt entwickelt und wie diese jungen Menschen mit einem ganz anderen kulturellen Hintergrund das Thema angehen wollen. An dieser Stelle danke ich Herrn Witte, dem Leiter der Kunstschule, der sich große Mühe gegeben hat, damit das Projekt zustande kommt. Der Erhalt des jüdischen Friedhofs liegt uns auch am Herzen. Nach einem Termin mit dem Landesdenkmalamt und dem Beauftragten des jüdischen Oberrats wurde das weitere Vorgehen erörtert. Zunächst wurde von der Friedhofsverwaltung die Steinmetzfirma Huber damit beauftragt, eine
Bestandsaufnahme der restaurierungsbedürftigen jüdischen Grabdenkmäler zu erstellen, die noch in Arbeit ist. Die Vorbereitungen für das Erscheinen des Fotobandes zum 150jährigen
Jubiläum des Waldbachfriedhofs nehmen Fahrt auf. Wir haben bereits unzählige Fotos gesichtet, die Textarbeiten laufen, und die Gestaltung nimmt langsam Form an. Ich bedanke mich an dieser Stelle für die überaus großzügige Förderung durch die St. Andreas Stiftung und die Stadt Offenburg.

In diesem Jahr wurden wieder 7 Bäume im Arboretum gepflanzt, das jetzt 129 verschiedene Baumarten aufweist. Das ist wie üblich in Abstimmung zwischen Friedhofsverwaltung und Förderkreis geschehen, die Beschilderung haben wir finanziert. Die heißen, trockenen Sommer sind zunehmend ein Problem bei den Neupflanzungen. Sie haben vielleicht bemerkt, dass Wassersäcke an die jungen Bäume gelegt wurden, um die kontinuierliche Bewässerung sicherzustellen. Das soll auch im kommenden Sommer erfolgen.
Die Veranstaltungen unseres Jahresprogramms konnten wir planmäßig durchführen. Sie waren gut besucht, nur die Lesung in der Kapelle fand wegen der brütenden Hitze etwas weniger Anklang. Das wird bei der nächsten Veranstaltung sicherlich anders sein, aufgrund des früheren Termins und der prominenten Besetzung, drei Ex-Obs und der amtierende
Oberbürgermeister.

Dafür war unsere Jubiläumsveranstaltung ein großer Erfolg. Ich danke den Mitgliedern, dass sie so zahlreich teilgenommen haben. Wir haben das als Anerkennung Ihrerseits für unsere Arbeit empfunden und uns sehr gefreut. Auch der Arbeitseinsatz war mit 29 Helfern und Helferinnen wieder gelungen. Dabei hat sich der Einsatz von zwei Fahrzeugen zum Abtransport des Schnittguts bewährt, genauso wie die Unterstützung unserer Aktion durch einen Mitarbeiter der TBO, Herrn Bierhinkel, dem wir für seine Hilfe danken. Apropos Programm: Beim Termin für den Filmabend ist mir ein Fehler unterlaufen. Allerheiligen fällt nicht auf einen Freitag, sondern der 01.11. ist ein Sonntag. Verzeihen Sie bitte diesen Irrtum. Abschließend noch ein wichtiger Punkt, zu dem Sie sicherlich eine
Stellungnahme von uns erwarten: Die Planungen für die Sanierung der Friedhofskapelle, in die der Vorstand miteinbezogen ist, haben begonnen. Damit in Zusammenhang stand natürlich auch die Sanierung des Wärterhauses. Bei der Ermittlung der Kosten hat sich ergeben, dass die Instandsetzung des Wärterhauses mehr kostet als die notwendigen Maßnahmen an der Kapelle, nämlich 420.000 €.
Der Gemeinderat hat nun beschlossen, keine Minimalsanierung für 70.000€ vorzunehmen, die höchstens zehn Jahre gehalten hätte, sondern das Wärterhaus abzureißen. Was hat den Vorstand bewogen, dem letztlich zuzustimmen? Zunächst haben wir das Thema durchaus kontrovers diskutiert und konnten zu keiner einheitlichen Meinung gelangen. Als aber klar wurde, dass eine Vollsanierung des Wärterhauses aus Kostengründen nicht durchzusetzen war, votierten wir einheitlich für den Abriss aus folgenden Gründen: Eine Minimalsanierung des Wärterhauses hätte nur eine zeitliche
Verschiebung des Problems bedeutet und keine zukunftsfähige Lösung.

In maximal zehn Jahren wäre man vor derselben Entscheidung gestanden, und ob dann eine Vollsanierung finanzierbar gewesen wäre, scheint angesichts des knapper werdenden Geldes mehr als  weifelhaft. Auch die Sozialkontrolle durch einen Mieter im Wärterhaus wurde immer wieder angesprochen. Dazu sollte man wissen, dass bisher kein negatives Vorkommnis dadurch tatsächlich verhindert wurde. Das Besprühen der Kapelle, ein Einbruch, die Vandalismusschäden an den Kreuzen der Schwesterngräber vor einigen Jahren haben trotzdem stattgefunden. Auch
der Aufenthalt von Obdachlosen und Drogenabhängigen auf dem Friedhof, sowie das Nächtigen in den Toiletten konnten bis jetzt nicht unterbunden werden. Möglicherweise hilft die neu entstehende Situation auch. Es gibt nicht mehr so viele dunkle Ecken, und der Zugang zu den Toiletten liegt in Zukunft nicht hinter der Kapelle, sondern ist von vorne einsehbar. Weder das Gesamtensemble noch das Wärterhaus an sich, stehen unter Denkmalschutz. Es entstand 20 Jahre nach Erbauung der denkmalgeschützten Kapelle, deren Architekt, Theodor Armbruster wohl kaum mit seiner Platzierung einverstanden gewesen wäre. Er plante die Kapelle als zentralen Solitär auf dem Friedhof. Die Wohnung des Wärters befand sich ursprünglich im rechten Flügel der Kapelle. Der Abriss des Wärterhauses stellt nun die ursprüngliche historische Situation wieder her. Außerdem stand für uns eine gelungene, umfassende Sanierung der Kapelle stets im Vordergrund. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, doch die Summe all dieser Überlegungen hat uns bewogen, den Beschluss zum Abriss des Wärterhauses mitzutragen. Nun möchte ich Sie noch über einen Wechsel im Beirat informieren. Herr Baldszuhn scheidet aus, weil er sich mehr in der Seniorenbetreuung engagieren will und für beide Aktivitäten keine Zeit hat. Wir danken ihm für seinen ehrenamtlichen Einsatz und wünschen ihm alles Gute. Für den freien Sitz im Beirat konnten wir Herrn Jürgen Ochs gewinnen. Sie kennen ihn sicherlich als langjährigen Gemeinderat für die Grünen. Die Farbe passt hervorragend zum Waldbachfriedhof. Außerdem ist er seit längerem Mitglied und betreut auch ein Patenschaftsgrab. Herr Ochs, wir freuen uns und danken Ihnen für Ihr Engagement.

Ich danke wie immer Ihnen, unseren Unterstützern und Unterstützerinnen, meinen Kollegen von Vorstand und Beirat und dem Vertreter der TBO und Friedhofschef, Herrn Jäger für das konstruktive Miteinander. Ganz besonders aber danke ich Herrn Dr. Gall, der uns heute Abend zum letzten Mal als Hausherr das Ritterhaus für unsere Mitgliederversammlung zur Verfügung stellt. Er ist ein fachkundiges Mitglied des Beirats und schreibt für das Fotobuch einen Beitrag zur Geschichte des Waldbachfriedhofs. Wir freuen uns, dass er uns weiterhin kompetent unterstützt.